Freefly Gimbal im Vergleich… oder doch DJI Ronin?

Seit Freefly den MöVI M10 an der NAB vorgestellt hat, liegt auch die Diskussion um Nutzen und Schaden dieser Geräte in der Luft.
Als der erste M10 in der Schweiz ausgeliefert wurde, durfte ich mich schon bald auch im Verleih und auf Dreh damit herumschlagen. Ebenfalls hatte ich letzthin das Vergnügen zwei Tage mit dem Konkurrenzprodukt DJI Ronin durch die Schweizer Berge zu rennen. Zu guter letzt ist nun auch der Freefly MöVI M15 noch in meine Hände geraten und so meinte ich es ist an der Zeit die drei Geräte einem Vergleich zu unterziehen. Den M5 nehmen wir der Vollständigkeit halber auch noch dazu, allerdings habe ich damit keine eigene Erfahrung.

Freefly MöVI M5

Bildschirmfoto 2015-03-10 um 14.19.10
Eigengewicht: 2.15 kg
Tragkraft: 2.27 kg
Kameragrösse 130 x 180 x 120mm (Canon C100 oder Blackmagic Studio und kleiner)

Der M5 ist vor allem für kleine Fotoapparate oder z.B. Blackmagic Kameras gemacht. Da er ebenfalls später als der M10 auf dem Markt gelandet ist, merkt man dort bereits einige Verbesserungen gegenüber dem ersten Gerät. Die Balance kann komplett ohne Werkzeuge vorgenommen werden und es ist auch möglich das Gerät kopfüber im „invertierten Modus“ zu betreiben. Im Verhältnis zur Tragkraft ist der M5 allerdings doch genug schwer. Wer aber viel unterwegs ist und sich mit kleinen Fotoapparaten anfreunden kann, ist damit sicher happy. Das Gerät ist ab 4’000 Euro im Handel und unter 200/Tag im Verleih zu finden.

Freefly MöVI M10

Bildschirmfoto 2015-03-10 um 14.18.14
Eigengewicht: 1.8 kg
Tragkraft: 5.44 kg
Kameragrösse 140 x 200 x 200mm (RED Epic und kleiner)

Der M10 war der erste Wurf von Freefly. Bereits merkt man ihm seine Pionierstellung etwas an. Gegenüber der Konkurrenz hinkt er doch in der Bauweise bereits etwas hinterher. Die Originalversion ist relativ mühsam zu balancieren. Vor allem die Pan-Achse konnte nur mittels Werkzeug eingestellt werden und wer es kennt, weiss von welcher nervigen Arbeit ich spreche. Allerdings kann dies nun via Upgrade auch ohne Werkzeug gemacht werden. Ebenfalls bietet Freefly den Schnellverschluss für die Handgriffe und den Käfig mit zusätzlicher, obenliegender Montagemöglichkeit an. Wenn man alle nachträglichen Anpassungen mit macht, ist der M10 aber als leichtestes Gerät seiner Kategorie immer noch gut im Schuss. Der M10 ist ab 8’000 Euro im Handel und ab 200/Tag im Verleih zu finden.

Freefly MöVI M15

Bildschirmfoto 2015-03-10 um 14.17.30
Eigengewicht: 2.47 kg
Tragkraft: 6.8 kg
Kameragrösse 203 x 203 x 197mm (Arri Alexa M und kleiner)

Der M15 ist im Grunde der Grosse Bruder des M10 aber genau genommen ist er vielleicht auch der Nachfolger. Diverse Verbesserungen welche beim M10 zusätzlich erworben werden müssen, sind im M15 bereits enthalten. Vor allem die sehr stark vereinfachte Einstellung der Pan-Achse ohne Werkzeug (nur noch vor- und zurück nötig) hilft den Prozess massiv zu beschleunigen. Das Tophandle und und Handgriffbalken lassen sich via Schnellverschluss demontieren. Die zweite Akkuhalterung erlaubt die Montage eines separaten Akkus für zusätzliche Geräte wie Funk oder Monitore. Der Käfig hat oben und unten Montagepunkte, das hilft enorm bei der Stabilität. Die 670 Gramm mehr gegenüber dem M10 sind in Anbetracht der stark verbesserten Konstruktion akzeptabel.
Das Gerät ist ab ca. 12’000 Euro im Handel und ab 300 Euro in diversen Verleihhäusern vorhanden.

DJI Ronin

Bildschirmfoto 2015-03-10 um 14.58.05
Eigengewicht: 4.2 kg
Tragkraft: 7.25 kg
Kameragrösse 140 x 225 x 195mm (RED Epic oder Alexa mini und kleiner)

Nur kurze Zeit nach dem MöVI M10 hat der chinesische Drohnen Hersteller DJI den Ronin auf den Markt gebracht. Preislich weit unter den Produkten von Freefly MöVI Geräten, hat der den Markt sofort aufgemischt. Die Unterschiede gegenüber den Freefly Geräten liegen bis auf das Gewicht eher im Detail. Mit fast dem doppelten Gewicht vom M15 (keine Carbon Bauweise) ist er der schwerste der hier behandelten Geräte. Er kann zwar auch am meisten Gewicht aufnehmen, aber da er selber schon schwer ist und die Aufnahme in der Grösse doch recht beschränkt ist, ist dieser Pluspunkt eher relativ zu betrachten.
Nichts desto trotz muss man sagen dass man mit dem Ronin viel Gerät für sein Geld bekommt. Die Bedienung und Balancierung ist sehr simpel. Die Bauweise und Verarbeitung aber doch nicht ganz so hochwertig wie bei Freefly Produkten. Die viel schwereren Akkus halten im Gegensatz zur Konkurrenz aber ewig. Da er schwerer ist als seine Mitbewerber macht er auch einen solideren Eindruck. Die Steuerung meldet schon bei sehr rudimentärer Balance keine Probleme und man kann damit schnell davon rennen. Die Feinheit der Stabilität kann aber so leider mit der Konkurrenz nicht ganz mithalten, vielleicht genau weil die Vorbereitung eben simpel ist. Der Ronin gibts ab 2’300 Euro und unter 200/Tag im Verleih.

Software / Funktionen

Sowohl DJI wie auch Freefly Gimbals müssen via Software kalibriert und eingestellt werden. App’s für Android und Mac OS für Mobile Geräte sind von beiden Herstellern vorhanden. Für Notebooks sind für Freefly ebenfalls beide Betriebssysteme möglich, DJI reduziert sich hier auf Windows. Beide Hersteller bieten eine automatische Kalibrierung an die meist schon recht gut ist. Freefly empfiehlt hier eine manuelle Optimierung nach dem automatischen Vorgang, DJI sagt dass es bereits reicht so. Vielleicht ist das auch der Grund warum die Freefly Geräte etwas gefühlt feinfühliger reagieren. Beide Systeme bieten Überwachungsfunktionen sowie manuelles Finetuning an. Alle Modelle von Freefly und auch der Ronin können kopfüber im „inverted Modus“ betrieben werden. Ebenfalls sind alle Systeme im Ein- oder Zwei Personen Operator Modus steuerbar. Ausserdem haben die Freefly Geräte die Möglichkeit, via GPS und Kompass Daten auf zu zeichnen (FVX Daten) und z.B. auch die Ausrichtung der Kamera damit zu steuern. Ebenfalls gibt es einen „Set down Sleep Mode“ welcher den MöVI in einen schlafenden Zustand versetzt damit man ihn kurzfristig problemlos auf den Boden stellen kann wenn die Aufhängung nicht zur Stelle ist.

Zubehör

Freefly bietet an Zubehör neben den Upgrades für den M10 eine Montageplattform für z.B. Kran (Remotehead Funktion), Ring statt Handgriffe sowie diverse Speisekabel und Reparaturkits an. DJI bietet zumindest ab Hersteller Seite kein Zubehör an, allerdings ist eine Transport Box mit dabei. Standart bieten beide Hersteller herkömmliche Fernsteuerungen aus der Modellbautechnik für den zweiten Operator an, Freefly hätte aber mit dem speziellen „MöVI Controller“ eine teure aber luxuriöse Lösung parat sammt Funkschärfe usw. alles auf einem Board.

Bilder

A15A7755                                 A15A7757                           Bildschirmfoto 2015-03-10 um 14.18.37

Verbesserte „Pan“ Aufhängung beim M15.         Oberer Montagepunkt beim Käfig für alle MöVI’s.              Der „MöVI Controller“ von Freefly.

Fazit

Alle drei Geräte die ich benutze (M10, M15 und Ronin) haben ihren Dienst gut gemeistert. Der M10 war als erster an der Reihe und man musste viel lernen bis das Setup mit Ausspiegelung, Funkschärfe, etc. gut funktioniert hat. Dagegen war der Ronin mit seiner einfachen Art vor allem beim Balancieren ein Segen. Grundsätzlich sind alle Systeme gut geeignet solange man nicht alleine unterwegs ist. Ab und an ist man um eine Hand froh, sei es nur um die Aufhängung in die Nähe zu bringen. Je mehr Funktionen man wünscht (Videofunk, Funkschärfe, etc.), je aufwändiger ist die Vorbereitungszeit. Das gilt auch für alle Systeme. Das Flaggschiff der hier vorgestellten Systeme ist sicher der M15 und zusammen mit der neu vorgestellten Arri Alexa mini wird das sicher eine ganz tolle und relativ einfach bedienbare Kombination in Highendbereich sein.
Dem Ronin muss man zu Gute halten dass er preislich unschlagbar ist und Zweifels ohne viel bietet auch wenn man damit zwei Kilo mehr Material kauft. Viele Anwendungen verzeihen das und er kann eine gute Alternative zu den doch massiv teureren Freefly Produkten sein.

Mittlerweile gibt es viele preiswerte Alternativen am Markt. An einigen Geräten durfte ich an der IBC 2014 selber Hand anlegen. Meist waren es Hersteller aus dem Fernen Osten und leider konnte die Qualität und Funktion mit den hier vorgestellten Produkten nicht mithalten. Zu schnell wollten vermutlich zu viele diesen Markt für sich holen und der Preis alleine darf bei solchen Geräten nicht entscheidend sein. Hier zählt die Qualität damit man akzeptable Resultate bekommt.

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