RED Epic – Durchlüften und Kalibrieren für ein sauberes Bild!

Wer die RED Epic ab und zu benutzt, kennt’s: Die Temparatur Anzeige auf dem Monitor wechselt ab und zu die Farbe und Noise und saubere Bilder geben sich ebenfalls die Klinke in die Hand. Das führt zu Unsicherheit am Set. Mittlerweile weiss bald jeder, dass eine exakte Sensortemperatur sehr viel Einfluss auf ein gutes und sauberes Bild hat, bei allen Kamerasystemen. Leider fällt der Groschen hinsichtlich der Funktionen hierzu bei der RED Epic nicht einfach grad so… um Temperatur und Noise im Griff zu haben, muss man sich etwas damit befassen.

Kalibrierung

Jedes Kamerasystem operiert in dieser Hinsicht ähnlich… ab dem Sensor wird ein Bild generiert, welches mit Noise (Bildrauschen) kämpft. Noise unterscheidet sich in unregelmässigem Rauschen (Lowlight Rauschen) und regelmässigen Mustern (Einfluss der Temperatur). Elektronisch kann das regelmässige Noise via Blackshading mit einer „CalMap“ reduziert werden. Diese „CalMap“ wird individuell je Sensor bei der Kalibrierung erstellt und quasi über das originale Bild „gelegt“. Die CalMap enthält sozusagen die negativen Bildfehler und korrigiert diese für das schlussendliche Bild so gut als möglich.

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(Quelle: RED Digital Cinema Website)

Solche regelmässigen Bildfehler ändern sich mit der Temperatur des Sensors und unterschiedlichen Verschlusszeiten. Das bedeutet also, verschiedene Temparturen und verschiedene Verschlusszeiten benötigen auch unterschiedliche CalMap’s. Viele Kamerasysteme machen das „automatisch“ oder es kann eben manuell ausgeführt werden. So auch bei der RED Epic. Hier können wir die CalMaps sogar abspeichern und je nach Einstellung wieder laden. Das mag zum einen kompliziert und hinsichtlich der Bedienerfreundlichkeit nicht wirklich toll sein, andererseits hat man aber so die volle Kontrolle im Gegensatz zu anderen, automatischen Systemen.

Die CalMap Files der RED werden mit Angaben der Temperatur und Verschlusszeit gespeichert (48_45C = 1/48 bei 45C) und wann sie gemacht wurden (Datum und Zeit).

Für einen normalen Dreh empfiehlt es sich mit der RED zwei CalMap’s bereit zu haben. Bei Standart Temperatur die zu erwarten ist, wählen wir die gewünschte Auflösung und machen eine Kalibrierung (Funktion Black Shading) bei der Standart Framerate (normale Verschlusszeit) und der maximalen Framerate. Die Framerate direkt hat keinen Einfluss auf das Noise im Bild aber die damit verbundene Verschlusszeit die dann ebenfalls ändert, muss berücksichtigt werden. Meist reichen dieses zwei Map’s aus.

RED empfiehlt neue Kalibrierungen wenn die Umgebungstemperatur massiv ändert (+- 15 Grad), die Verschlusszeit ändert (-+ 1/2 Sek) oder eine neue Firmware aufgespielt wird.
Ebenfalls können CalMap’s nicht von einer Kamera zur anderen transportiert werden, da diese individuell je Sensor sind. Mit einer neuen Firmware kann das Noise Verhalten ändern, das heisst die CalMap’s sind mit einer neuen Firmware nicht mehr brauchbar.

Die RED Epic DRAGON kann bis zu vier CalMap’s parallel speichern. Die Mysterim-X kann nur eine CalMap speichern. Im Menu „Calibration Management“ können die CalMap’s gespeichert und wieder geladen werden. Ein Blackshading bei der RED Epic DRAGON dauert ca. 13 Minuten uns es empfiehlt sich dies erst nach einer Aufwärmphase von ca. 10 Minuten auszuführen.

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Ob eine Kalbrierung nötig ist kann relaitv schnell kontrolliert werden. Im Menue – Settings -> Look -> FLUT kann das FLUT auf 8000 gedreht werden. Dann sollte das Rauschen massiv verstärkt dargestellt werden. Sind regelmässige Muster und Linien erkennbar, muss ein Blackshading gemacht werden.
Das unregelmässige Rauschen kann mit dem Blackshading/CalMap nicht korrigiert werden.

 

Lüftung / Betriebstemperatur

Wie wir oben bereits gelesen haben, ist die Betriebstemperatur der Kamera/Sensor nebst der Verschlusszeit wichtig um keine regelmässigen Bildfehler zu haben. Die RED Epic zeigt uns die Temperaturen des Mikroprozessors (Coretemperature = Kerntemperatur) und die Sensortemperatur auf dem Monitor an. Die Angabe „Temp X/Y“ bedeuten X=Sensor und Y=Core Temperatur. Die Sensor Temperatur ist direkt abhängig von der Core Temperatur und „hinkt“ dieser hinterher.

RED Temp

Hier haben wir eine Sensortemperatur von 47 Grad und einer Core Temperatur von 64 Grad.

Mit dem Lüfter der Kamera können wir die Temperatur regulieren. Die eingestellten Werte der Lüftung beziehen sich nur auf die Core Temperatur. RED empfiehlt als Standart bei der RED Epic DRAGON eine Core Temperatur von 65 Grad in Bezug die Lautstärke und Intensivität des Lüfters, bei der Mysterium-X wird der Lüfter über 50 Grad hörbar lauter. Die Temperatur kann im Fan Menü eingestellt werden.

Mit der DRAGON im Fan Modus „Adaptive“ oder „Adaptive quiet“ (Regelt nur wenn REC Off) erreicht man in normaler Umgebung die besten Ergebnisse. Um Fan Lautstärke z.B. während der Aufnahme zu reduzieren kann die Adaptive Temperatur auch erhöht werden – Achtung, die Aufwärmphase dauert dann auch länger!
Bei der Mysterium-X ist der Fan Mode „Auto“ Standart. Hier kann der maximale Fan Speed im REC Modus festgelegt werden. Die Kamera steuert dann den Speed im Standby Modus automatisch damit die Temperatur gehalten wird. Je kleiner das „REC Maximum“, je höher der Speed im Standby Modus… und umgekehrt.

RED Fan

Warum ist dann z.B. die Aufwärmphase der Kamera wichtig? Hier kommen nun die beiden Bereiche „Kalibrierung“ und „Lüftung / Betriebstemperatur“ zusammen. Die Anzeige „Cal: T/E“ unterhalb der Temperaturen, zeigt an ob die momentane Temperatur (T) oder Verschlusszeit (E = Exposure) innerhalb des Bereichs der gewählten CalMap sind. Solange dieses Anzeigen Grün sind, ist Temperatur und Verschlusszeit gemäss der gewählten CalMap. Wechselt eine der Anzeigen auf Gelb, ist das noch kein Weltuntergang. Es zeigt lediglich an, dass die Werte minim von der idealen Einstellung Abweichen (+ und – zeigen die Richtung an). Es ist aber (noch) nicht nötig ein neues Blackshading zu machen oder eine andere CalMap zu wählen.

Erst wenn die Anzeigen auf Rot wechseln, muss reagiert werden. Bei der Temperatur (T) muss entweder die Lüftung verändert werden um mit der Core Temperatur die Sensor Temperatur wieder in die Toleranzen der CalMap zu bringen, oder man wählt eine entsprechende CalMap für diese Temperatur… oder man macht mit dem Blackshading eine neue CalMap für die aktuelle Situation. Das heisst also, wenn wir eine höhere Betriebstemperatur des Sensors wählen damit der Lüfter leiser läuft, bedeutet das auch dass die Kamera länger braucht bis sie diese Temperatur erreicht welche nötig ist damit sie die Toleranzen der CalMap erfüllt.

Bei der Verschlusszeit (E) ist es natürlich einfacher. Ändert man die Verschlusszeit (indirekt auch mit der Anzahl Frames pro Sekunde möglich), muss darauf geachtet werden ob bei der Anzeige Cal:T/E das E grün oder gelb bleibt. Falls es hier rot wird, haben wir die Toleranz der aktuellen CalMap ebenfalls überschritten.

Die Erfahrung zeigt dass die Standart Einstellungen der Kamera in den meisten Fällen genügen und alle Parameter innerhalb der Toleranzen bleiben. Darum soll man sich auch nicht verrückt machen bezüglich den CalMap’s solange man immer grüne und gelbe Temperaturen oder Verschlusszeiten angezeigt bekommt. Sobald aber der Tonmann über zu laute Fan Geräusche jammert, Umgebungstemperaturen ändern oder viel zwischen verschiedenen Verschlusszeiten hin und her gewechselt wird, sollte man sich mit dieser Thematik auseinander setzen. Ebenfalls ein Thema diesbezüglich sind lange Takes die natürlich je nach Modus der Lüftung die Temperaturen massiv steigern können.

Es macht Sinn, die richtigen Einstellungen und CalMaps bereits beim prüfen der Technik einzustellen und wenn man weiss wie, kann man auch am Set ohne viel Zeitverlust immer innerhalb der nötigen Toleranzen arbeiten ohne sich mit verrauschten Bildern auseinander setzten zu müssen.

Weiterführende Links:

RED erklärt die Thematik auf ihrer Webseite ebenfalls: Black Shading Calibration

Ebenfalls viel dazu kann man im Manual nachlesen: Manual Download DSMC Operation Guide

 

 

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