Hispeed und fps… Welche Kamera kann nun was?

Hispeed

Immer wieder werde ich angefragt, welche Kamera denn nun wie viele Frames pro Sekunde aufzeichnen kann. Schnell wird’s dann undurchsichtig wenn noch dazu kommt welche Auflösung, Sensorgrösse und Farbtiefe noch verfügbar ist. Es sind mittlerweile einige Kameras am Markt die mehr als die Standart 720p50 drehen können und die Zukunft wird hier ganz sicher noch einiges mehr bringen.

Eine Übersicht gibt in der Tabelle hier:

fps_tab

 

Bemerkung zur Tabelle:
Bei einigen Kameras sind mit 24p höhere FPS möglich als mit 25p. Alle Angaben sind so gewählt wie wir es aus unserem Alltag in den meisten Fällen antreffen. Ebenfalls ist die Liste nicht abschliessend. Vor allem im „Low Budget“ Segment sind mehrere Kameras vorhanden die bis ca. 120fps schaffen (z.B. GoPro Hero 4). Wir möchten aber die Liste auf das mittlere bis obere Segment für den professionellen Einsatz beschränken. Einige günstige Kameras (siehe Liste) finden aber dank Qualität und Konzept trotzdem den Weg in diese Liste da sie sich am Markt durchgesetzt haben oder einiges Versprechen (z.B. Ursa mini).

 

Beschreibung der Kameras hinsichtlich der „Hispeed“ Funktion:

Im Grunde muss zwischen zwei Gruppen unterschieden. Diese unterscheiden sich in der Leistung und auch im Preis. Bis ca. 300 fps sind doch einige verschiedene Varianten verfügbar… ab dann wird’s spezieller, teurer und auch das Datenmanagement und der Workflow nimmt an Wichtigkeit zu.

Sony PXW-FS7

Eine gute und günstige Alternative bis 150fps in akzeptabler Qualität. S-Log3 Gammakurve und ISO2000 hilft auch bei knappem Licht. Verstärken kann man das sogar noch mit dem Metabone Speedbooster und einer guten lichtstarken EF Fotolinse. Die Kamera kann mit Projektframerate von 24p sogar bis 180fps machen, bei 25p wird die Framerate aber reduziert.

Sony NEX-FS700

Ebenfalls eine günstige Alternative bis 240fps allerdings in knapper Qualität. S-Log2 Gammakurve und ISO2000 hilft auch bei knappem Licht. Verstärken kann man das sogar noch mit dem Metabone Speedbooster und einer guten lichtstarken EF Fotolinse. Es sind maximum 8 Sekunden pro Take in Echtzeit möglich.

Blackmagic URSA mini

Ab Spätsommer 2015 sicher die günstigste Alternative um ein paar mehr Bilder zu bekommen. Ausführliche Informationen und ein Test folgt sobald wir die Kamera in die Hände bekommen.

Sony PMW-F5/55

Eine gute Alternative im mittleren Preissegment bis 240fps in RAW. S-Log3 Gammakurve und ISO2000 hilft auch bei knappem Licht. Die Kamera reduziert bei RAW Aufnahmen ab 60fps die Auflösung automatisch von 4K auf 2K. Intern sind mit XAVC Shots bis 150fps möglich in guter Qualität.
Je nach Sujet muss ab 60fps mit Moiré und Aliasing gerechnet werden. Umgehen kann man das mit einem OLPF Filter der in die Kamera eingebaut wird, allerdings wird so auch das gesamte Bild „weicher“.

Arri Amira

Eine weitere Lösung bis 200fps in 4444 ProRes. Eine schnell bedienbare Schulterkamera und Log-C Kurve mit 14 Blenden Dynamik machen die Kamera zu einer Option für jedes Einsatzgebiet und ein paar Frames mehr können da schnell mal praktisch sein. Ideale Kamera für Kino und hochwertige Dokumentarfilme die eine schnelle Arbeitsweise benötigen. ISO800 ist bei 200fps an der oberen Grenze des machbaren, allerdings kann sie problemlos auch auf einer höheren ISO Rate betrieben werden (ISO800 ist nativ).

Arri Alexa

Gesetzt beim Spielfilm, kann die Alexa auch mit ein paar mehr Frames bis 120fps aushelfen. In gewohnt hoher Qualität ist das sehr praktisch da es nicht nötig ist, Kamera und Codec zu wechseln innerhalb einer Szene. Das macht auch die Nachbearbeitung einfacher. Es gibt Unterschiede bei den verschiedenen Typen (Plus, SXT, mini) und deren Speichermedien. ISO800 und Log-C reichen für die 120fps gut aus, allerdings kann sie problemlos auch auf einer höheren ISO Rate betrieben werden (ISO800 ist nativ).

Panasonic Varicam

Die Varicam gibts es in Zwei Varianten (Wechselbarer Kopf). In der 35mm Variante schafft die Kamera in 4K bis 120fps. Mit dem „Hispeed“ Kopf und dem 2/3″ Sensor (B4 Mount) werden dann 240pfs möglich in HD. Wir werden bald eine Testkamera zur Verfügung haben um hier genauere Infos zu liefern.

RED Epic Dragon

Also Vorreiter hat RED schon bei der ersten Kamera (RED One) schnellere Frameraten angeboten. Je nach Qualität und Auflösung kann die Epic einen nahezu undurchschaubar grossen Dschungel an verschiedenen Frameraten aufzeichnen. In akzeptabler Qualität und normalem Super35mm sind das um die 95 Bilder. Will man „schneller“ gehen, reduziert die Kamera die Sensorgrösse und liegt bei normalem HD (1920×1080) noch ca. bei Super16mm. Je nach dem kann das aber dafür mit Super16mm Linsen eine spannende Kombination sein. Standart ISO800 und „Film Gamma“ können aber über 200fps knapp werden ohne mehr Licht bauen zu müssen.

Fastec TS-5

Eine Alternative für sehr mobile und enge Verhältnisse kann diese Kamera sein. Sie ist sehr klein und macht doch stolze 634 Bilder bei voller HD Auflösung. Die Kamera ist erst ab Mitte 2015 verfügbar und deshalb ist noch wenig bekannt. Ob der Sensor und die AVI-Files die nötige Qualität bringen, ist also noch offen… Ein Test dieser Kamera wird aber sicher bald auch hier publiziert.

FT-One und FT-One-S

Ebenfalls im Hochpreis Segment angesiedelt ist die FT-One – allerdings ist sie eine günstigere Alternative zur Phantom-Flex 4K wenn es mit momentan 860fps ausreicht. Leider haben wir bis heute keine Möglichkeit gehabt, die Kamera selber zu testen. Die FT-One-S ist seit der NAB2015 bekannt und könnte ein mittleres Niveau abdecken mit 360fps. Allerdings ist der Preis noch nicht kommuniziert und darum ist es schwer das Gerät einzuschätzen.

Phantom Miro LC320S

Die „kleine Phantom“ schafft in HD bis 1530 Bilder in RAW Qualität.  In einem Loop sind aber max. 2.5 Sek. möglich. Der Sensor ist ca. 30% kleiner als ein normaler Super35mm und ein Crop ist somit Tatsache. Die Kamera kann mit diversen Mounts bestückt werden und ist relativ klein und handlich. Nativ sind ISO640 sicher eher tief. Eher im oberen Preissegment kann die Kamera aber als „wirkliche Hispeed“ Kamera bezeichnet werden und für den Einsatz in engen oder sehr dynamischen Verhältnissen kann es die richtige Wahl sein.

Weisscam HS-2

Während die frühere HS-1 doch eher noch ein Ungetüm in Sachen Bedienung war, darf man aber nun von der HS-2 sagen dass es eine vollwertige Kompakte Kamera ist. Die 640 ISO und knappe 8 Blenden Dynamik sind aber doch leider etwas knapp um es als „Highend“ zu bewerten. Die Kamera kann mit gutem Licht eine günstige Alternative im Hochpreis Segment sein und wer ein paar Pixel mehr braucht hätte noch die Option bis 1500fps in 2K Auflösung zu drehen.

Phantom Flex

Lange galt die „Flex“ als der Standart im Hispeed Bereich. In normaler HD Auflösung schafft sie im eigenen „HQ Modus“ bis 1275fps. Maximal 2.5K Auflösung sind möglich bis 725 Bilder (HQ). Mit einem „Normal Modus“ sind höhere Frameraten möglich. Die Kamera ist mit 220W ein Stromfresser und eher in stationärer Umgebung zuhause. Da sie schon einige Jahre am Markt ist, kann die Sensortechnologie und dessen Leistung nicht mehr mit den aktuellen Geräten mithalten.

Phantom Flex 4K

Die alte „Flex“ wurde durch die neue „Flex 4K“ als Flaggschiff der Hispeed Kameras abgelöst. Mit einer Framarate in 4K bis max. 940fps und HD bis 1975fps ist sie die „Hispeed Kamera“ schlechthin. In HD muss man aber mit dem Sensor Crop leben. Momentan speichert sie nur RAW Daten, weitere Fileformate sind aber in Vorbereitung. Die grosse Datenflut erfordert die nötige Einrichtung um die Files in nützlicher Frist zu speichern. Erfahrenes Personal ist absolut empfehlenswert. Die Kamera bietet ebenfalls Log Gamma Kurve und max. 1250 ISO. Meist erfordert der Einsatz höherer Frameraten aber sowieso zusätzliches Licht und somit ist die Empfindlichkeit akzeptabel. Preislich im Topend angesiedelt, bietet die Kamera aber auch die beste Bildqualität im Hispeed Umfeld.

 

Ein schönes Beispiel einer Hispeed Anwendung (1000fps – 5 Sekunden Dreh – 3,5 Minuten Musikvideo).
Musikvideo von Siska – „Unconditional Rebel“ – hier noch ein kleines Making-Of.

Objektiv betrachtet stellt man also fest dass es eine Lücke zwischen „normalen“ Kameras bis ca. 250fps und „teuren“ Geräten gibt welche dann gleich 1500fps drehen können. Es währe wünschenswert, eine Kamera im normalen Bereich bis ca. 600pfs zu haben da dies oft ausreichen würde. Technologisch scheint es da irgendwo eine Limite zu geben die offenbar nicht so einfach geknackt werden kann. Ich bin mir aber sicher dass hier bald einige Hersteller etwas anbieten können.

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