Codex Minicamera – Are you ready for Action?

Bereits im Frühjahr 2014 wurde die „Codex Actioncamera“ angekündigt und langsam aber sicher sind auch in einigen Rentalhäusern solche Systeme verfügbar. Ich hatte nie wirklich die Gelegenheit, mich damit auseinander setzen zu können bis ich Ende 2015 für einen grösseren Auftrag damit konfrontiert wurde. Da die Produktion/DOP ebenfalls noch nie damit gearbeitet hat, ergab sich für mich die Möglichkeit gleich als Techniker/Operator damit auf den Dreh zu gehen und dort für den reibungslosen Ablauf hierfür zu sorgen.
Natürlich lasse ich die Gelegenheit nun nicht aus, darüber hier etwas genauer zu berichten.

S2-Codex-Action-Cam-Recorder-and-Heads

Das System besteht aus zwei Kameras (Sinacam – Spezialversion), dem Codex Recorder (Codex S-Recorder – Spezialversion) und den z.B. von der Alexa XT bekannten Codex Capture Drives Speicherkarten. Die Kameras sind mit einem C-Mount bestückt und können somit wahlweise mit kleinen Linsen (z.B. Kowa) oder aber auch mit einem PL-Mount, etc. betrieben werden.
Die Kameras werden nur (!!!) mit einem normalen BNC-Kabel verbunden (Speisung und Signal in einem Kabel) was die Handhabung extrem erleichtert. Zwischen Kamera und Recorder kann bis 80m BNC verbaut werden. Der Recorder kann parallel beide Signale aufzeichnen und auch parallel an zwei HD-SDI Ausgängen wieder abspielen. Gespiesen wird der Recorder mit den Standart 12-30V Akkus und TC-Sync ist ebenfalls möglich.

Technische Details:

  • Grösse einer Kamera: 45 x 42 x 52 cm
  • Grösse des Recoders: 83 x 139 x 188 cm
  • Gewicht Recorder und zwei Kameras: 1.4 Kg
  • Speisung 12-30V – 30W
  • Kamera Sensor: 2/3 Zoll CCD 1920 x 1080p bis max. 60fps – Global Shutter
  • Belichtung max. 11,5 Blenden Dynamik und ISO 100, 200 und 400 einstellbar
  • Aufzeichnung nur 12-Bit Codex RAW möglich (Codex Workflow z.B. wie Arri RAW)
  • Filegrösse: mit 60fps sind ca. 42min auf einer 512GB Karte möglich (2 Kameras = 2x 21 Min.)
  • Via Kabel kann der Recorder Fernbedient werden

Von Sinacam und diversen Zuliefereren gibt es nebst den Mounts auch z.B. Zahnringe und Focusmotoren. Ebenfalls ist ein GoPro-Adapter vorhanden mit dem sämtliches Montagematerial von GoPro für die Kameras nutzbar wird. Kleine, runde ND Filter sind am Markt ebenfalls verfügbar.

Nachteile:

Natürlich ist das System relativ teuer und macht rein nur vom Datenvolumen her, nur auf grösseren Produktionen Sinn. Das Datenhandling ist nicht zu unterschätzen und der DIT muss für den Workflow mit Codex RAW Files eingerichtet sein (siehe auch Arri RAW Workflow). Ebenfalls ist der Recorder je nach Anwendung zusammen mit einem Akkus doch eher etwas gross und es sind kreative Ideen gefragt wenn es darum geht diesen irgendwo zu verstecken. Sicher sind für heutige Verhältnisse die 1920×1080 Pixel an der unteren Grenze da man vor allem grad bei schnellen Szenen gerne mal etwas mehr Auflösung für Stabilisierung etc. hätte.

Vorteile:

Für mich ist es wohl das bin anhin flexibelste System im „Highend“ Bereich. Dank den wirklich sehr kleinen Kameras ist fast jeder erdenkbare Winkel möglich. Der Aufwand für ein Rigging z.B. auf ein Auto usw. ist sehr gering und innerhalb weniger Minuten sind die Kameras montiert und eingerichtet. So lässt sich vielleicht auch der Preis etwas rechtfertigen da viel Zeit gespart werden kann. Die Qualität kommt wirklich sehr nahe an eine Arri Alexa und da sich die Kameras gut verstecken lassen sind mehrere Einstellwinkel im selben Take problemlos möglich.

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Anbau beider Kameras an einem Motorrad. Der Recorder war in einer Bauchtasche beim Fahrer.

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Beide Kameras mit unterschiedlichen Brennweiten per Saugnapf auf der Haube.
Der Recorder war im Wagen.

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Am gelben Kran hing die Stunt-Frau und bewegte sich so durch den Raum.
Recorder und Akku sind oben drauf gebunden. Ausgelöst wurde via Besenstiel. 🙂

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Die „Run & Gun“ Variante mit einem Ultraprime und kleinem Handgriff sowie Monitor.
Recorder und Akkus sind im Rucksack.

Fazit:

Die Kameras gehören sicher dort hin, wo man sich etwas mehr als nur eine GoPro wünscht oder mehr nötig ist. Vor allem die Flexibilität mit den Linsen macht natürlich das ganze System erst spannend. Wir waren alle überrascht wie einfach und schnell diverse Einstellungen damit eingefangen werden konnten. Am Motorrad parallel zwei Kameras, am Auto, im Auto, auf dem Helm oder einfach mal nur mit rennend liessen sich schnelle Action Szenen sehr erfolgreich aus verschiednen Winkeln umsetzen. Es macht Sinn, sich vorab Gedanken über den Einsatz zu machen da oft auch Taschen, Rucksäcke usw. nötig sind um den Recorder und Akku sauber zu verstauen.
Wichtig: Man muss auf alle Fälle den DIT über den Einsatz eines solchen Systems informieren damit er sich vorbereiten kann. In der Nachbearbeitung wird man aber mit dem Footage seine helle Freude haben!

Wir hatten zwei Systeme am Set mit zwei Recordern. Der zweite Recorder konnte so oft auch beim Video als Playback Player benutzt werden und der SDI Out wurde gleich mit einem Pix240 Recorder aufgezeichnet. Parallel konnte bereits die nächste Einstellung vorbereitet werden.

 

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